der Geschichte um Adam und Eva in Wacken:
samt zugehöriger Kritik: Mission Impossible 4:
http://maggus-desire.de/index.php/naviblog/blogkino/308-mission-impossible-4
die Konzertkritik von Wolli/Das Wort zum Australian Pink Floyd Project in der Jahrunderthalle Frankfurt vom 24.04.2012:
Kapitel 2: Die ersten vier der sieben Siegel
Auf dem Weg zurück überlegte sich René, ob er mit seiner Aussage über die Gewohnheit wirklich Recht hatte. Doch er kam weder zu einem befriedigenden Ergebnis, noch wollte er sich überhaupt vorstellen, dass die Grausamkeiten jemals zum Alltag gehören würden. Allein der Gedanke daran machte ihm Angst. Noch viel mehr fürchtete er sich jedoch davor, dass er dies überhaupt in Erwägung gezogen hatte. Während er noch überlegte, waren Dana und er bereits vor dem Gebäude angekommen. René blieb kurz stehen, atmete tief durch und betrat dann das Schulgebäude. Die Nachricht von den weiteren Anschlägen hatte sich noch nicht herumgesprochen, daher war es, vom typischen Pausentrubel einmal abgesehen, relativ ruhig. Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er bald zu seinem Informatikkurs gehen müsste. Er freute sich schon jetzt auf seine Freistunde danach, da er dann mit seiner Frau und seiner Tochter in die Stadt zum Essen gehen konnte. Doch erst einmal wollte eine Klasse unterrichtet werden. Daher gingen sie in den ersten Stock zu den Informatik-räumen. Vor der Tür blieben sie stehen und René verabschiedete sich von den beiden, küsste seine Frau, gab ihr den Schlüssel zu seinem persönlichen Zimmer und Dana und Cathrin liefen den Gang hinunter.
Herr Dahnke schloss den Raum unter einem Quietschen der Türschaniere auf. Er fragte sich, warum die Tür noch immer nicht geölt wurde, obwohl dieses nervtötende Geräusch schon relativ lange störte. In Gedanken an die aktuellen Ereignisse versunken, betrat er den Raum. Nach ein paar Minuten trudelten die ersten Schüler ein, setzten sich und packten ihre Sachen aus. Sebastian, der Schüler der ihn an diesem Morgen wegen der Arbeit angesprochen hatte, ging bereits mit seinem USB-Stick nach vorne Richtung Lehrertisch, da er ein Referat halten sollte. „Soll ich warten bis alle da sind oder besser gleich anfangen“, fragte er. „Warte am besten noch 5 Minuten“, bekam er als Antwort, „und dann kannst du anfangen. Es werden ganz sicher nicht alle kommen.“ Und mit einem Grinsen fügte René hinzu: „Euch bockt das Thema doch eh nicht.“ Die Minuten verstrichen und Sebastian fing an. Er war nicht unbedingt der beste Schüler, jedoch fand Herr Dahnke, dass er sich anstrengte und wurde folglich auch mit passablen Noten bewertet. Früher war dies nicht so. Jeder Lehrer konnte eine gewisse Willkür an den Tag legen, mündliche Leistungen bewerten wie er mochte, ja sogar dafür sorgen, dass Schüler, die er nicht leiden konnte, nicht versetzt wurden. Warum er gerade jetzt an diese Art der Willkür dachte? Er wusste es nicht. Doch wie so häufig in letzter Zeit beschäftigte er sich viel mit der Vergangenheit. Nicht nur mit seiner Eigenen, sondern auch die von Anderen interessierte ihn auf einmal. Waren es die schweren Zeiten, die ihn dazu brachten? Auch hierauf wusste er keine Antwort. Da ihm auf so gut wie alles, was ihm im Kopf herum ging, keine Antwort einfiel, beschloss René wieder Sebastian zuzuhören. Wider Erwarten wurde das Referat recht gut und sehr ausführlich, ja es wurde sogar regelrecht mit Beifall aus der Klasse überhäuft. Doch als René gerade seine Meinung sagen wollte, fiel ihm ein leises Ticken auf, welches, darauf hätte er schwören können, noch vor ein paar Minuten nicht zu hören war. Einen kurzen Moment hatte er das Gefühl, dass auch andere Schüler dies vernommen hatten, jedoch rief irgendwer „Kuchen!“ und die Sache war damit als klingelndes Handy abgetan.
Bei einem kurzen Blick aus dem Fenster bemerkte René, dass der Himmel sich so langsam verdunkelte. Immer mehr Wolken schoben sich vor die Sonne. „Sonne“, murmelte er leise. Jedes Mal wenn er den Himmel beobachtete, brachte ihn nahezu immer dazu, an seine erste Begegnung mit Dana zu denken. Dies lag nicht etwa daran, dass der Himmel an diesem Tag besonders schön gewesen wäre, es war nicht einmal schönes Wetter gewesen. Es lag vielmehr daran, dass Dana an jenem Tag ein himmelblaues Sommerkleid trug und sie, als René sie ansprach, in der Mitte eines kleinen Nebenraumes einer Kirche stand, an dessen Decke ein gemalter Himmel war. Das besondere war bei diesem Gemälde, dass Gott nicht als alter Mann, sondern als Sonne dargestellt wurde. Und während er weiter aus dem Fenster sah, bemerkte er das Ticken erneut. Für einen Klingelton war es zu dauerhaft, denn jeder Schüler versuchte, sobald sein Handy klingelte, es sofort zu beenden. Plötzlich hörte er eine laute Explosion, kurz darauf noch zwei Weitere.
Seine Schüler gerieten in Panik und wegen des Lärmes vor der Tür war es nicht schwer zu erraten, dass in der ganzen Schule das Chaos ausgebrochen war. Er rannte auf den Flur um sich einen besseren Überblick zu verschaffen. Von allen Seiten hörte René Gekreische, aber auch viele Schüler, sogar Lehrer, die weinten. Wild mit den Armen fuchtelnd, versuchte er seine Schüler dazu zu überreden, endlich auf die große Wiese vor der Schule zu gehen, da es hier beim besten Willen nicht mehr sicher war. Zumal jeden Moment die Bombe im Informatikraum hochgehen könnte. Im Gebäude breitete sich immer mehr Staub von den Explosionen aus. In Verbindung mit den Deckenfenstern wurde der Innenraum der Schule in eine düstere Atmosphäre getaucht. Als seine Schüler endlich auf dem Weg Richtung Tür waren, machte er sich auf den Weg zu seiner Familie, welche immer noch, so hoffte er doch, in seinem Raum saßen. Dort angekommen musste er jedoch feststellen, dass Dana und Cathrin dort nicht mehr waren. Er wollte sich gerade umdrehen um im Gebäude nach ihnen zu suchen, da wurde der Übergang zur Nachbarschule von einer weiteren Explosion in Stücke gerissen. Trümmerteile erschlugen einigen Menschen, die versuchten, vom Schulgelände zu fliehen. Doch es war nicht die Menge an Fliehenden, die René erwartet hatte. Es waren eindeutig zu wenige. Dies verwunderte ihn extrem, obgleich er froh war, dass durch diesen Umstand nicht noch mehr durch die Explosion ums Leben gekommen waren. Mit der Hand vorm Mund, um nicht zu viel Staub einzuatmen, rannte er in Richtung Treppe. Er war noch nicht angekommen, da hörte René schon Schüler schreien: „Wir sind vollkommen eingeschlossen!“ - „Die Explosionen haben alle Ein- und Ausgänge verschüttet!“ Immer mehr waren in Tränen ausgebrochen und kauerten an den Wänden.
René lief zu einem der Mädchen hin und fragte, was denn außer dem offensichtlichem genau los wäre. Mit zittriger Stimme antwortete sie: „Vor den Fenster stehen Mo… Monster.“ Sie machte eine kurze Pause und ehe Herr Dahnke nachfragen konnte, erzählte das Mädchen weiter: „Und jeder der versucht zu fliehen, wird erschossen oder geköpft!“ „Geköpft?“, platze es aus René heraus. „Kannst du mir die Monster, wie du sie nennst, näher beschreiben?“ „Ich versuche es“, sagte sie. „Ich selbst habe nur zwei gesehen, aber es müssen wohl vier sein. Alle sitzen auf einem Pferd. Das eine Pferd ganz in Weiß und eines in Rot. Wie die anderen aussehen weiß ich nicht. Was wollen die von uns? Wer sind die?“ Renés Gesicht wurde kreidebleich und dann stammelte er: „Wenn deine Beschreibung korrekt ist, sind die vier Gestalten die Apokalyptischen Reiter aus der Bibel. Das hieße, dass das erste der sieben Siegel aufgebrochen wäre. Der Anfang vom Ende. Jeder, der nicht würdig in den Augen Gottes ist, wird gerichtet.“ Als er diese Worte ausgesprochen hatte, ertönte ein laut schallendes „Im Namen des allmächtigen Vaters. Amen!“ und die restlichen Bomben explodierten. René wurde von mehreren Trümmerteilen am Kopf getroffen und während er niedersackte und ohnmächtig wurde, sah er wie dem Mädchen mit dem er gerade noch gesprochen hatte, verschüttet wurde und ihre Hand aufhörte zu zucken.
Herr Dahnke öffnete die Augen. Zumindest versuchte er es. Sein linkes Auge war zu sehr verletzt, als dass er es hätte öffnen können. Mit aller Kraft richtete er sich auf und machte sich auf die Suche nach seiner Frau und seiner Tochter. Durch die Explosionen war das ganze Gebäude in einen dichten Staubnebel getaucht und überall lagen Leichen von Schülern und Lehrern, manche waren noch nicht ganz tot, röchelten aber bereits ihre letzten Atemzüge vor sich hin. Dieses Bild des Grauens machte es für René nicht einfacher sich auf den Beinen zu halten und die Suche fortzusetzen. Immer wieder hörte er ein leises „Hilfe!“, doch jedes Mal, wenn er dachte, er hätte einen Überlebenden gefunden, war die betreffende Person entweder bereits gestorben oder starb vor seinen Augen. Mit jeder Minute, die verstrich, wuchs seine Angst, dass er seine Familie nicht mehr rechtzeitig finden würde. Er hoffte, dass bald Rettungsmannschaften kommen würden um ihn und die Anderen, er war sich sicher, dass noch jemand überlebt haben musste, zu retten. Doch auch dieser letzte Funken Hoffnung wich immer mehr der aufkeimenden Panik. Gerade als er aufgeben wollte, hörte Herr Dahnke die Stimme, da war er sich absolut sicher, seiner Tochter. Er schrie so laut er konnte: „Ich bin hier drüben, meine Kleine. Komm zu mir.“ „Ich kann nicht“, bekam er von ihr als Antwort und aus ihrer Stimme hörte er heraus, dass sie unter großen Schmerzen litt. „Ich bin eingeklemmt!“ „Ok, ich komme zu dir, beweg dich am besten so wenig wie nötig.“ Mit diesen Worten lief er in Richtung der Stimme, die er gehört hatte. Und tatsächlich, er fand seine Tochter. Er wollte sie gerade in den Arm nehmen, drücken und nicht mehr loslassen, so glücklich war er sie zu sehen, da bemerkte René einen riesigen Gesteinsbrocken, der von der Decke herabgefallen sein musste und den ganzen Unterkörper von Cathrin unter sich begrub.
Er versuchte verzweifelt sie davon abzulenken bis Hilfe, er meinte er hätte Rettungswagen gehört, kommen würde. Doch seine Stimme verbreitete sicher nur noch mehr Angst, da er selbst nicht mehr glaubte, die Hilfe würde rechtzeitig kommen. Und auch seine eigenen Schmerzen, unter anderem sein linkes Auge, wurden immer größer. Vielleicht empfand er es nur so, weil er nach und nach immer mehr Gefühl in seinen Gliedmaßen zurückbekam. Plötzlich fragte Cathrin: „Hast du Mama schon gefunden? Sie war auf einmal weg. Ich habe als nach ihr gerufen, aber es kam keine Antwort von ihr. Wo ist Mama?“ „Ihr geht es sicher gut“, versuchte René so überzeugend wie möglich sagen. Doch er wusste, dass dies eine Lüge war und er war sich sicher, seine Tochter wusste dies auch. Nichts desto trotz gab es ihnen ein wenig Hoffnung. Auf einmal fing Cathrin an zu schreien und als Herr Dahnke sich umdrehte, wusste er warum. Die vier Reiter standen direkt hinter ihnen. Die Pferde bäumten sich schnaubend auf und einer von ihnen, René dachte, es wäre der auf dem schwarzen Pferd, er war sich jedoch nicht sicher, hielt einen Frauenkopf in die Höhe und sprach mit schallender Stimme: „Sucht ihr vielleicht diese Ungläubige?“ Weinend brach René zusammen und fiel erneut in Ohnmacht.