"The reason people find it so hard to be happy is that they always see the past better than it was, the present worse than it is, and the future less resolved than it will be"
Marcel Pagno

Geschrieben von Maggus Kategorie: Maggus
Veröffentlicht am 13. September 2010 Zugriffe: 104
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Mein Vater dachte sich letzte Woche, er macht Urlaub mit meinem Chef und zog deshalb nach Berchtesgaden um in den Bergen zu wandern. Folglich lag es an mir, meine Mutter zu einem Event der Superlative zu begleiten. Eine Weinprobe in der Groß-Umstädter Heinrich-Klein-Halle. Geil denkt ihr da, wie ich anfangs auch. 17 Euro Eintritt blechen und dann sich die Birne wegballern, anschließend dem Bürgermeister auf den Tisch kotzen, Hausverbot kassieren und sich im nächsten Jahr mit den Türstehern prügeln. So schön kann Leben sein. Doch die Betonung liegt auf „kann“, denn die Realität fickt doch dann immer wieder so derbe in den Arsch, dass man sich fast an Köln erinnert fühlt. Wenn dann noch das Loch extrem eng ist, könnte man einen politisch unkorrekten Witz über die Love Parade bringen. Doch so etwas würde ich ja nie machen. Immerhin habe ich ja einen Erzieherischen Auftrag zu erfüllen. Ach was, D'rauf geschissen. Also kommt nun die knallharte Beschreibung der Realität. Gegen 16.00 Uhr Mitteleuropäische Standardzeit (+1) trafen wir in der Halle auf begeisterte Begrüßungsredner Marke 9live-Moderator und noch viel mehr bekloppter Möchtegern-Entertainer. Die Krönung war jedoch eine Kapelle der besonderen Art. Man folterte uns mit einem Seemannsakordion und einer Violine, die so misshandelt wurde, dass sie sicher bald ein Buch mit Namen 3065 oder so ähnlich schreibt. Nebenbei schanzten die Herren sich die Preise gegenseitig zu. Wir erfuhren zudem, dass irgendwer politisch sicher total wichtiges ein Herz hat, dieses aber eigentlich nicht für Groß-Umstadt und seinen Wein, er aber trotzdem hier war, weil seine Handballmanschaft gegen die unsere verloren hat. Irgendwie fadenscheinig und eigentlich keine Freikarte wert, aber er ist ja sicher wichtig und überhaupt. Nach rund zwei Stunde war diese Farce dann auch vorbei, nicht aber ohne uns vorher mit Gruppensingerei zu foltern. Das war sie also, meine erste öffentliche Veranstaltung, auf der ich als Alleinunterhalter für einen ganzen Tisch vollkommen umsonst (richtiger wäre vielleicht unentgeltlich) tätig war, dazu Wein trinken durfte und erfuhr, wie grausam andere Unterhalter sein können. Verdammte scheiße war das hart. Jetzt bemitleidet mich alle oder ich bin morgen eine Schlagzeile der Bildzeitung. (Hätte ich das vielleicht nicht schreiben sollen, da deswegen das BKA mir die Tür eintritt?)

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